Am 19. Januar 2026 empfing Papst Leo XIV. im Vatikan Vertreter des Neokatechumenalen Weges zu einer Audienz. Die Begegnung fand in der Aula delle Benedizioni im Vatikan statt. Anwesend waren mehr als 1.000 Itineranten-Katechisten, die in 138 Ländern auf fünf Kontinenten tätig sind.
Die Audienz bildete den Abschluss der mehrtägigen Zusammenkunft, die jährlich in Porto San Giorgio unter der Leitung des internationalen Verantwortlichenteams des Neokatechumenalen Weges mit Kiko Argüello, P. Mario Pezzi und María Ascensión Romero stattfindet. Nach der Privataudienz mit dem internationalen Verantwortlichenteam im Juni 2025, war dies die erste offizielle Begegnung mit Mitgliedern der pastoralen Initiative seit Beginn des Pontifikats von Leo XIV.
An der Zusammenkunft und an der Audienz nahmen außerdem 115 Rektoren der missionarischen diözesanen Priesterseminare teil, die mit Unterstützung des Neokatechumenalen Weges in verschiedenen Diözesen gegründet wurden.
In seiner Ansprache würdigte Papst Leo XIV. die Vertreter des Neokatechumenalen Weges als engagierte Zeugen der Evangelisierung und stellte den missionarischen Einsatz des Weges in den größeren Zusammenhang der Sendung der ganzen Kirche, das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Besonders hob er die Rolle der Familien, Katechisten und Priester hervor, die sich – oft unter Verzicht auf persönliche Sicherheiten – in den Dienst der Mission stellen, auch in schwierigen und entfernten Regionen.
„Allen, insbesondere denen, die sich entfernt haben oder deren Glaube geschwächt ist, bietet ihr die Möglichkeit eines geistigen Weges, auf dem sie die Bedeutung der Taufe wiederentdecken können, damit sie die empfangene Gnadengabe und damit den Ruf erkennen, Jünger des Herrn und seine Zeugen in der Welt zu sein.“, so der Papst.
Vor dem Hintergrund des großen Engagements des Neokatechumenalen Weges lud Leo XIV. die Anwesenden ein, „Zeugen der Einheit“ zu sein. Die Mission des Weges sei zwar „besonders aber nicht exklusiv; euer Charisma ist spezifisch, aber es trägt Früchte in der Gemeinschaft mit den anderen Gaben, die im Leben der Kirche vorhanden sind; ihr tut viel Gutes, aber euer Ziel muss es bleiben, den Menschen Christus näherzubringen, wobei ihr stets den Lebensweg und das Gewissen jedes Einzelnen respektiert.“
„Geht mit Freude und Demut voran, ohne euch zu verschließen, als Erbauer und Zeugen der Kommunion!“, so der Papst. „Ich ermutige euch, mit Begeisterung weiterzumachen!“
Am Rande der Audienz überreichte Kiko Argüello dem Papst eine Kopie der von ihm gemalten Ikone des Guten Hirten aus dem Jahr 1982. Zudem übergab er dem Pontifex eine Publikation über die Kathedrale Nuestra Señora de la Almudena in Madrid, an deren Ausgestaltung Argüello beteiligt war. Anlass war ein in den kommenden Monaten geplanter Besuch des Papstes in Spanien.
Die ganze Ansprache des Papstes im Wortlaut (aus dem Italienischen Original auf vatican.va ins Deutsche übersetzt):
ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV. AN DIE VERANTWORTLICHEN DES NEOKATECHUMENALEN WEGES
Halle des Segens, Montag, 19. Januar 2026
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Der Friede sei mit euch!
Queridos hermanos y hermanas,
liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen und herzlich willkommen!
Ich freue mich, euch so zahlreich hier zu sehen. Ich begrüße die Mitglieder des internationalen Teams des Neokatechumenalen Weges, Kiko Argüello, María Ascensión Romero und Don Mario Pezzi, sowie die Bischöfe und Priester, die euch begleiten.
Ein besonderer Gedanke gilt den hier anwesenden Familien, Ausdruck eures missionarischen Strebens und jenes Wunsches, der immer die ganze Kirche beseelen muss: das Evangelium der ganzen Welt zu verkünden, damit alle Christus kennenlernen können.
Genau dieser Wunsch hat das Leben des Neokatechumenalen Weges immer belebt und nährt es weiterhin, sein Charisma und seine Werke der Evangelisierung und Katechese, die einen wertvollen Beitrag zum Leben der Kirche darstellen. Allen, insbesondere denen, die sich entfernt haben oder deren Glaube geschwächt ist, bietet ihr die Möglichkeit eines geistigen Weges, auf dem sie die Bedeutung der Taufe wiederentdecken können, damit sie die empfangene Gnadengabe und damit den Ruf erkennen, Jünger des Herrn und seine Zeugen in der Welt zu sein.
Von diesem Geist beseelt, habt ihr das Feuer des Evangeliums dort entfacht, wo es zu erlöschen schien, und habt viele Menschen und christliche Gemeinschaften begleitet, sie zur Freude des Glaubens erweckt, ihnen geholfen, die Schönheit der Erkenntnis Jesu wiederzuentdecken, und ihr geistiges Wachstum und ihr Engagement für das Zeugnis gefördert.
Insbesondere möchte ich neben den Formatoren und Katechisten auch den Familien meinen Dank aussprechen, die, indem sie dem inneren Impuls des Heiligen Geistes folgen, die Sicherheiten eines geregelten Lebens hinter sich lassen und in die Mission aufbrechen, auch in ferne und schwierige Gebiete, mit dem einzigen Wunsch, das Evangelium zu verkünden und Zeugen der Liebe Gottes zu sein. Auf diese Weise nehmen die aus Familien, Katechisten und Priestern bestehenden Itinerantenteams an der Evangelisierungsmission der gesamten Kirche teil und tragen, wie Papst Franziskus sagte, dazu bei, den Glauben der „Nichtchristen, die noch nie von Jesus Christus gehört haben“, aber auch vieler Getaufter, die zwar Christen sind, aber „vergessen haben, wer Jesus Christus ist“, zu „erwecken“ (Ansprache an die Mitglieder des Neokatechumenalen Weges, 6. März 2015).
Die Erfahrung des Neokatechumenalen Weges zu leben und die Mission fortzusetzen, erfordert von euch auch eine innere Wachsamkeit und eine weise Kritikfähigkeit, um bestimmte Risiken zu erkennen, die im geistigen und kirchlichen Leben immer lauern.
Ihr bietet allen einen Weg zur Wiederentdeckung der Taufe an, und dieses Sakrament macht uns, wie wir wissen, durch die Vereinigung mit Christus zu lebendigen Gliedern seines Leibes, zu seinem einzigen Volk, zu seiner einzigen Familie. Wir müssen uns immer daran erinnern, dass wir Kirche sind und dass, wenn der Geist jedem eine besondere Offenbarung schenkt, diese – wie uns der Apostel Paulus erinnert – „zum gemeinsamen Wohl“ (1 Kor 12,7) und somit für die Mission der Kirche selbst gegeben ist. Die Charismen müssen immer in den Dienst des Reiches Gottes und der einzigen Kirche Christi gestellt werden, in der keine Gabe Gottes wichtiger ist als andere – außer der Liebe, die alle vervollkommnet und in Einklang bringt – und kein Dienst darf zum Grund werden, sich besser als die Brüder zu fühlen und diejenigen auszuschließen, die anders denken.
Deshalb lade ich auch euch ein, die ihr dem Herrn begegnet seid und ihm im Neokatechumenalen Weg nachfolgt, Zeugen dieser Einheit zu sein. Eure Mission ist besonders, aber nicht exklusiv; euer Charisma ist spezifisch, aber es trägt Früchte in der Gemeinschaft mit den anderen Gaben, die im Leben der Kirche vorhanden sind; ihr tut viel Gutes, aber euer Ziel ist es, den Menschen Christus näherzubringen, wobei ihr stets den Lebensweg und das Gewissen jedes Einzelnen respektiert.
Als Hüter dieser Einheit im Heiligen Geist ermuntere ich euch, eure Spiritualität zu leben, ohne euch jemals vom Rest des kirchlichen Leibes zu trennen, als lebendiger Teil der üblichen Seelsorge der Pfarreien und ihrer verschiedenen Realitäten, in voller Gemeinschaft mit den Brüdern und insbesondere mit den Priestern und Bischöfen. Geht mit Freude und Demut voran, ohne euch zu verschließen, als Erbauer und Zeugen der Kommunion!
Die Kirche begleitet euch, unterstützt euch und ist euch dankbar für das, was ihr tut. Gleichzeitig erinnert sie alle daran, dass, „wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17). Deshalb müssen die Verkündigung des Evangeliums, die Katechese und die verschiedenen Formen der Seelsorge immer frei von Zwang, Starrheit und Moralismus sein, damit sie nicht Schuldgefühle und Ängste hervorrufen, anstatt innere Befreiung zu schenken.
Meine Lieben, ich danke euch für euer Engagement, für euer freudiges Zeugnis, für den Dienst, den ihr in der Kirche und in der Welt leistet. Ich ermutige euch, mit Begeisterung weiterzumachen, und segne euch, während ich die Fürsprache der Jungfrau Maria für euch erbitte, damit sie euch begleite und beschütze. Danke!


Fotos: Neokatechumenaler Weg/Tomasz Marynowski



