1. Was ist der Neokatechumenale Weg?

Der Neokatechumenale Weg ist eine pastorale Initiative innerhalb der Pfarrei zur Wiederentdeckung der Taufe. Er entstand in den 1960er-Jahren in den Baracken von Madrid. Nach dem Vorbild des urchristlichen Tauf-Katechumenats bietet der Neokatechumenale Weg eine stufenweise Hinführung zur existenziellen Dimension des Glaubens für bereits getaufte Christen genauso wie der Kirche Fernstehende oder Ungetaufte an. Der Neokatechumenale Weg wurde 1990 von Papst Johannes Paul II. offiziell anerkannt und 2008 durch Papst Benedikt XVI. als „Weg der christlichen Initiation“ durch Statuten kirchenrechtlich bestätigt. Die Neokatechumenalen Gemeinschaften sind heute mit ca. 1,5 Mio. Mitgliedern in allen Ländern der Welt vertreten und unterhalten über 120 Priesterseminare. Darüber hinaus gibt es zahlreiche missionarische Initiativen. In Deutschland gibt es ca. 90 Gemeinschaften in 33 Pfarreien in 15 deutschen Diözesen.

Ein Weg der (Wieder-)Entdeckung der Taufe

Der Neokatechumenale Weg versteht sich als Prozess zur Entfaltung der Gnaden, die mit dem Empfang der eigenen Taufe jemandem geschenkt werden. Dieser Prozess verläuft jedoch nicht individuell, sondern in und mit einer konkreten Gemeinschaft von ca. 20 bis 40 Personen innerhalb einer Pfarrei. Er beginnt mit einer Glaubensverkündigung, die eine mehrwöchige Reihe von Katechesen beinhaltet und mit einem Wochenende abgeschlossen wird. Diese Katechesen werden von einem Team von Katechisten auf Einladung des Ortspfarrers gehalten. Das Team besteht aus Vertretern der unterschiedlichen Stände: ein oder zwei Ehepaare, ein/e oder mehrere unverheiratete Laien und ein Priester.

„Wir sind nicht Christen, wir werden es, und zwar in dem Maße, als in uns die Erlösung Christi verwirklicht wird“,

formulierte einmal der katholische Religionsphilosoph Romano Guardini. Da die volle Heranreifung und Entfaltung der Taufe auch für bereits Getaufte keine Sache von wenigen Tagen oder Wochen sein kann, erstreckt sich der Neokatechumenale Weg als Ganzes über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren. Der Kirchenvater Augustinus (4. Jh.) etwa beschreibt in seiner Autobiografie Bekenntnisse den Weg zur Taufe seiner selbst und seiner Freunde als einen langjährigen Prozess, der unterschiedliche Phasen und Etappen beinhaltet.

Christ-Werden ist weniger etwas Statisches oder das Wissen von einzelnen Lehrsätzen, sondern vor allem ein dynamischer und biografischer Prozess. So lernt der Neokatechumene innerhalb seiner Gemeinschaft, die eigene Lebensgeschichte mit all ihren freudigen Ereignissen sowie allen Brüchen und vermeintlichen Zufällen als eine Heilgesichte zu betrachten – mithilfe des Wortes Gottes, der liturgischen Feiern und dem Zeugnis der Brüder und Schwestern.

Auf dem Neokatechumenalen Weg werden darüber hinaus in speziellen Einkehrtagen Aspekte des Taufritus näher betrachtet und auf die eigene Lebenssituation bezogen. Die einzelnen Phasen orientieren sich an der kirchlichen Ordnung Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche (deutschsprachige Ausgabe: Trier 2001). Nach einigen Jahren endet dieser geistliche Prozess durch eine feierliche Erneuerung der Taufgelübde in der Bischofskirche und einer Pilgerfahrt ins Heilige Land.

Auf diesen Weg können sich auch Ungetaufte machen, die den Wunsch haben, die Taufe zu empfangen. Dies geschieht in der Regel schon vor dem Abschluss des Prozesses, aber nach einigen Jahren intensiver Vorbereitung und Begleitung.

2. Die Entstehung des Neokatechumenalen Weges

Der spanische Künstler Francisco José Gómez de („Kiko“) Argüello Wirtz, geboren am 9. Januar 1939, zog nach einer existenziellen Glaubenskrise im Jahr 1964 in die damalige Barackensiedlung Palomeras-Altas am Stadtrand von Madrid. In Mitten der Armen wollte er Jesus Christus nahe sein, der selbst arm geworden war. In der Barackensiedlung traf Kiko mit der Missionarin und Theologin Carmen Hernández zusammen, die sich theologisch intensiv mit den Fragestellungen des zeitgleich stattfindenden Zweiten Vatikanischen Konzils beschäftigte. 

Gemeinsam mit ihr entstand in den Baracken eine besondere Form der Glaubensverkündigung, eine kerygmatisch-katechetische Form der Glaubensweitergabe, die sich am urchristlichen Taufkatechumenat orientiert. Die Grundformen des „Neokatechumenalen Weges“, als schrittweise Einführung in das Christentum in kleinen Gemeinschaften waren gelegt. Durch die Unterstützung des damaligen Erzbischofs von Madrid, Casimiro Morcillo González, fand die Initiative ihren Weg in die Pfarreien von Madrid sowie weitere spanische Diözesen. 

1968 zogen Kiko Argüello und Carmen Hernández nach Rom in den Stadtteil Borghetto Latino und begannen mit der Unterstützung des damaligen Generalvikars von Rom, Angelo Dell’Acqua, mit einer Katechese in der Pfarrei Nostra Signora del Santissimo Sacramento e Santi Martiri Canadesi. Mit der Entstehung kleiner christlicher Gemeinschaften in den Pfarreien zeigte sich mehr und mehr, wie sehr diese katechetische Initiative den Wünschen des Zweiten Vatikanischen Konzils nach Formen der christlichen Initiation in der Pfarrei entsprach. Der Konzilspapst Paul VI. formulierte dies erstmals 1974 während einer Audienz mit Mitgliedern der Gemeinschaften:

Siehe, die Früchte des Konzils! Ihr tut nach der Taufe das, was die Urkirche vor der Taufe tat: Das Vorher oder Nachher ist nebensächlich. Tatsache ist, dass ihr zur Authentizität, zur Fülle, zur Konsequenz, zur Aufrichtigkeit des christlichen Lebens hinstrebt. Und das höchst verdienstvoll. Es tröstet uns außerordentlich (…) Welche Freude und welche Hoffnung gebt ihr uns mit eurer Anwesenheit und eurer Tätigkeit!

Im Rahmen dieser Ansprache gab Papst Paul VI. der pastoralen Initiative ihren Namen „Neo-Katechumenat“, also eine Hinführung zum Glauben (Katechumenat) für bereits Getaufte. Mit dieser Bezeichnung identifizierte Paul VI. die entstandenen Gemeinschaften mit der Forderung der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, die ein mehrstufiges Katechumenat für Erwachsene gefordert hatte.

Der Neokatechumenale Weg breitete sich in der Folge in vielen Ländern weltweit aus. Dabei erfuhr er besonders die Unterstützung durch Papst Johannes Paul II. Im Jahre 1990 erkannte dieser den Neokatechumenalen Weg im Schreiben „Ogni Qualvolta“ erstmals offiziell an und bat die Bischöfe, diese pastorale Initiative zu unterstützen: 

„Ich erkenne den Neokatechumenalen Weg als Itinerarium katholischer Formung an, gültig für die Gesellschaft und für die gegenwärtige Zeit. (…) Ich wünsche mir, dass die Brüder im bischöflichen Amt – zusammen mit ihren Priestern – dieses Werk für die Neuevangelisierung zur Geltung bringen und unterstützen.“

Von Anfang an zeigten sich neben den Gemeinschaften Früchte und Charismen, die aus dem Neokatechumenalen Weg hervorgingen. Seit dem Internationalen Jubiläum der Jugend im Jahr 1984 begleiteten zehntausende Jugendliche des Neokatechumenalen Wegs den Heiligen Vater zu den Weltjugendtagen. Seit diesem Zeitpunkt finden im Rahmen der Weltjugendtage so genannte „Beru-fungstreffen“ statt, bei denen junge Menschen ihre Verfügbarkeit für das Priesteramt oder das ge-weihte Leben bekunden. 1986 sandte der Papst die ersten 100 missionarischen Familien („Familien in Mission“) in verschiedene Teile der Welt. Eine Tradition, welche auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus fortgeführt haben. Im Jahr 1988 unterstützte Papst Johannes Paul II. die Eröffnung des ersten Priesterseminars „Redemptoris Mater“ in Rom.

Auch Benedikt XVI. unterstützte den Neokatechumenalen Weg, den er bereits in den 60-er Jahren in München kennengelernt und gefördert hatte. Während seines Pontifikats wurden 2008 die Statuten des Neokatechumenalen Weges durch den Vatikan endgültig approbiert, nachdem sie durch die Kongregation für die Glaubenslehre, die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, die Kongregation für den Klerus und die Kongregation für das Katholische Bildungswesen in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat für die Laien geprüft worden waren. Die Kongregation für die Glaubenslehre approbierte zusätzlich 2010 das Katechetische Direktorium, also die Unterlagen für die Katechisten des Weges. Anlässlich dieser Approbation sagte Papst Benedikt XVI. in einer Ansprache am 17. Juni 2011:

Mit diesen kostbaren kirchlichen Siegeln bestätigt der Herr heute dieses wertvolle Instrument, das der Neokatchumenale Weg ist, und vertraut es euch von neuem an, sodass ihr in kindlichem Gehorsam gegenüber dem Heiligen Stuhl und den Bischöfen der Kirche mit neuem Schwung und Eifer an der radikalen und freudigen Wiederentdeckung des Geschenks der Taufe mitwirken und euren originellen Beitrag zum Anliegen der Neuevangelisierung anbieten könnt.

Während der ersten Audienz im Jahr 2014 mit den Initiatoren und den Mitgliedern des Neokatechumenale Weges sagte Papst Franziskus:

„Ich danke dem Herrn für die Freude eures Glaubens und für die Leidenschaft eures christlichen Zeugnisses, Dank sei Gott! (…) Ich danke euch für alles, was ihr in der Kirche und in der Welt tut.“

Wie Papst Benedikt XVI. hat auch Papst Franziskus während seines bisherigen Pontifikats mehrfach „Familien in Mission“ sowie „Missio ad gentes“ zur Evangelisierung in entchristlichte Gegenden der Welt entsandt. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Neokatechumenalen Weges am 5. Mai 2018 stand Papst Franziskus der Feier mit ca. 150.000 Mitgliedern des Weges in Rom vor. In seiner An-sprache betonte er: 

„Ihr habt in eurer DNA diese Berufung, das Evangelium im Familienleben nach dem Beispiel der Heiligen Familie zu verkünden: in Demut, Einfachheit und Lob. (…) Tragt diese familiäre Atmosphäre an so viele Orte in der Welt, die wirr und dürr und ohne Liebe sind. (…) Euer Charisma ist ein großes Geschenk Gottes für die Kirche unserer Zeit. Danken wir dem Herrn für diese fünfzig Jahre. Ein Applaus für die fünfzig Jahre! (…) Ich begleite euch dabei und ermutige euch: Geht voran!“ 

Der Neokatechumenale Weg kam 1974 durch die Vermittlung des damaligen Professors für Dogmatik Joseph Ratzinger nach Deutschland: Über den Freund Stefano Gennarini lernte das Ehepaar Toni und Bruna Spandri aus Venedig Anfang der 1970er Jahre Kiko Argüello und den Neokatechumenalen Weg kennen. Da sie zu dieser Zeit in Regensburg bei dem damaligen Professor für Dogmatik und späteren Papst Joseph Ratzinger Theologie studierten, kam es mit ihm zu einem Austausch über diese Initiative der christlichen Initiation. Als Papst sagte er darüber Folgendes:

 „Diese jungen Menschen hatten entdeckt, dass nach der Taufe ein neues Katechumenat nötig sei, eine neue persönliche und gemeinschaftliche Vertiefung der Taufe auf einem gemeinsamen Weg. In meinem Nachdenken über die Taufe hatte ich seit langem festgestellt, dass dieses Sakrament in der Kirche gewissermaßen in Vergessenheit geraten war. Dabei ist es das Fundament unseres Christseins. Insbesondere die Kirchenväter betonen, dass sich die Taufe auf einem Weg der Initiation entfaltet. Deshalb freute ich mich, dass diese Erfahrung einen neuen Anstoß bekam. Denn genau das hatte der Neokatechumenale Weg verstanden: Auch wenn wir als Kinder getauft werden, müssen wir später in die Wirklichkeit der Taufe eintreten. Unser Leben lang gilt es, natürlich in verschiedenen Etappen, in diese Gemeinschaft mit Christus in seiner Kirche, in die wir aufgenommen wurden, einzutreten.“

 – (Kirchliche Bewegungen und geistliche Gemeinschaften. Verlag Neue Stadt 2007, S.60f)

Nach einem Treffen mit Kiko Argüello holte Joseph Ratzinger den Neokatechumenalen Weg nach Deutschland, indem er ihn zwei befreundeten Priestern in der Erzdiözese München und Freising empfahl, so dass 1974 in zwei Pfarreien nach einer Grundkatechese die ersten beiden Neokatechumenalen Gemeinschaften Deutschlands entstanden. Eine der beiden Pfarreien ist die Pfarrei Philipp Neri-Christus Erlöser, in der es heute zwölf Gemeinschaften gibt. Im Jahr 1975 wurden die beiden ersten Anfangskatechesen im damals geteilten Berlin gehalten: In der Fastenzeit im Westteil und in der Adventszeit im Ostteil. Die Personen, die damals vor mehr als vierzig Jahren den ersten beiden Gemeinschaften angehörten, bilden seit dem Fall der Berliner Mauer gemeinsam die älteste Gemeinschaft Berlins, die in der Pfarrei Bruder Klaus (Berlin-Britz) beheimatet ist. 1988 kamen auf Wunsch von Kardinal Joachim Meisner vier „Familien in Mission“ aus München und Wien zusammen mit dem Priester Luigi Scappini aus Rimini in die Pfarrei Bruder Klaus. Seit 2018 befinden sich zwei „Gemeinschaften Missio ad Gentes“ in Berlin Siemensstadt und in Berlin Friedrichshain im Aufbau. Mittlerweile gibt es in Berlin fünfzehn Gemeinschaften in acht Pfarreien. 1993 wurde das internationale, missionarische Diözesanseminar Redemptoris Mater in Berlin errichtet, nachdem bereits 1991 die ersten Seminaristen nach Berlin gekommen waren. Die ersten Weihen fanden 1998 statt.

3. Der Neokatechumenale Weg heute

Weltweit

Am 19. Juli 2016 verstarb Carmen Hernández, die gemeinsam mit Kiko Argüello Initiatorin des Weges war. Auf Wunsch des Heiligen Stuhls wurde – gemäß den Statuten – die Spanierin María Ascención Romero López, die bereits seit 25 Jahren Itinerantin in Russland war, zum Mitglied des internationalen Verantwortlichen-Teams ernannt, zu dem außerdem Padre Mario Pezzi gehört. Es gibt heute weltweit über 20.000 Gemeinschaften auf allen Kontinenten, etwa 1.700 missionarische Familien („Familien in Mission“), von denen 216 als „Missio ad Gentes“ in entchristlichten Städten in aller Welt evangelisieren. Außerdem unterhält der Neokatechumenale Weg weltweit ca. 120 diözesane Priesterseminare, die dem jeweiligen Ortsbischof unterstellt sind und eine missionarische Ausrichtung haben.

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In Deutschland

In Deutschland gibt es ca. 90 Gemeinschaften mit etwa 2.300 Mitgliedern in 33 Pfarreien in 16 deutschen Diözesen. Zwei Seminare „Redemptoris Mater“ im Erzbistum Berlin und im Erzbistum Köln bilden Diözesanpriester für die Neuevangelisierung aus. Aus dem Berliner Seminar sind bislang 36 Priester hervorgegangen, aus dem Kölner Seminar 22 Priester. 30 „Familien in Mission“ vorwiegend aus Italien, Spanien und Polen wohnen dauerhaft in Deutschland, um die Neuevangelisierung im Auftrag der jeweiligen Bischöfe zu unterstützen. Acht Gemeinschaften „Missio ad Gentes“, bestehend aus 39 Familien, acht Priestern, ledigen Männern und Frauen wurden bislang in den Diözesen Dresden-Meißen, Köln, Augsburg und Berlin errichtet.

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4. Charismen des Neokatechumenalen Weges

Der Neokatechumenalen Weg dient dazu, die Nachfolge Christi als allgemeine Berufung durch die Taufe zu entdecken und zu vertiefen. Nicht selten führte dies dazu, dass obendrein eine besondere Berufung entdeckt wurde: Gott ruft immer wieder Personen zu einer Mission, Er ermöglicht es ihnen, in Seinem „Weinberg“ als Arbeiter tätig zu sein. Diese Formen, als Mitarbeiter Gottes tätig zu sein, werden als Charismen bezeichnet: Sie entstammen einerseits Gottes Gnade (griechisch charis), andererseits werden sie als Dienst an den Menschen verstanden und beanspruchen als solche keine Gegenleistung.

Als erstes Charisma entstanden auf dem Neokatechumenalen Weg in den 1970er-Jahren die Itineranten. Sie verlassen ihre Heimat und ihren Beruf und sind in anderen Ländern für die Missionsarbeit tätig: Als Itinerantenteams betreuen sie Neokatechumenale Gemeinschaften einer oder mehrerer Diözesen. Diese Teams bestehen in der Regel aus einem Priester, einem Ehepaar und einem unverheirateten Mann oder aus einem Priester, einem unverheirateten Mann und einer unverheirateten Frau. Die Bezeichnung Itineranten leitet sich vom lateinischen Wort iter, Weg ab und verweist auf die mit der Missionsarbeit verbundene Reisetätigkeit.

In Mittel- und Nordeuropa zeigte sich in den 1980er-Jahren, dass in Pfarreien mit neu entstandenen Neokatechumenalen Gemeinschaften auf diesem Weg erfahrene Familien als Unterstützung hilfreich wären. Zeitgleich verspürten einige Familien den Ruf Gottes, ähnlich den Itineranten aufzubrechen und in der Mission tätig zu sein. Ebenso wie diese verließen sie ihre Heimat: Der Auftrag dieser Familien in Mission ist es allerdings, sich in der ihnen per Los zugeteilten Pfarrei niederzulassen und hier vor Ort tätig zu sein.

Eine weitere Form der Mission von Familien entstand in den 2000er-Jahren mit der Missio ad Gentes. In diesem Fall ziehen drei bis vier Familien unterschiedlicher Herkunft in ein Stadtviertel, in dem das Christentum überhaupt nicht mehr gelebt wird. Inmitten von Ungetauften (lateinisch gentes) beginnen sie, zu leben. Ihnen stehen ein Priester sowie zwei bis drei ledige Frauen bei. Die ersten Missiones ad Gentes entstanden u.a. in Chemnitz.

In Folge der sich immer weiter ausbreitenden missionarischen Tätigkeit ergab sich die Notwendigkeit für Priester, die zu diesem Zweck speziell ausgebildet wurden. Nachdem bereits einige Männer auf dem Neokatechumenalen Weg ihre Priesterberufung entdeckt und in Diözesanseminaren ausgebildet wurden, gründete Papst Johannes Paul II. 1988 in Rom das erste Priesterseminar Redemptoris Mater. Dieses Priesterseminar ist weiterhin diözesan, die ausgebildeten Priester werden also in die Diözese, in der das Priesterseminar errichtet wurde, inkardiniert und sind durchaus auch in ihr tätig. Allerdings treten mit der missionarischen und internationalen Ausrichtung zwei weitere Merkmale hinzu: Voraussetzung für den Eintritt in ein solches Priesterseminar ist die Bereitschaft, auf Geheiß des Bischofs als Missionar in die ganze Welt gesandt zu werden. Dies beginnt bereits mit dem Eintritt: In die mittlerweile über 120 Priesterseminare Redemptoris Mater werden Kandidaten per Los entsandt. Im deutschsprachigen Raum gibt es solche Priesterseminare Redemptoris Mater in den Erzbistümern Berlin, Köln und Wien.